In der Welt geliebt

Ganz Japan spielt die 9. Sinfonie

Asien ist das Paradebeispiel für die weltweite Verehrung Beethovens. Japan ist neben Deutschland sicher eines der Länder mit der größten Beethoven-Verehrung. Die 9. Sinfonie wird traditionell in ganz Japan am Neujahrstag aufgeführt, Dutzende Aufführungen im ganzen Land finden statt. Wobei die Geschichte dazu bereits im 1. Weltkrieg begann, als deutsche Soldaten die 9. Sinfonie nach Japan brachten. Mit zum Teil selbstgebauten Instrumenten und für Männerstimmen umgeschriebenem Gesangsteil erklang am 1. Juni 1918 die 9. Sinfonie. Was den Deutschen damals wahrscheinlich nicht bewusst war, ist heute Stand der musikhistorischen Forschung: Dieses Konzert war die erste Aufführung von Beethovens „Neunter" nicht nur in Japan, sondern in ganz Asien.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Werk speziell zu Neujahr aufgeführt, weil es so populär war. Seit 1960 war es endgültig eine Neujahrs-Tradition, immer mehr lokale Chöre und Orchester beteiligten sich an der Aufführung zu Neujahr. Seit 2003 werden an vielen Orten zusätzlich alle anderen Beethoven-Sinfonien gespielt.

Aus einem Bericht der Japan Times (24. Dezember 2010): "It’s Sunday afternoon at Tokyo Geijutsu Gekijo, where the Japan Philharmonic is performing Ludwig van Beethoven’s Symphony No. 9, one of dozens of performances of the piece that take place throughout Japan during the month of December. But why the Ninth, a notoriously difficult work that the members have to not only sing in German but memorize in German? “Of course there are many choral works we could do,” Tomizawa explains. “But there’s nothing like the Ninth. It seems impossible for amateurs to sing, but Beethoven casts a spell on you. Many start off thinking, ‘I can’t do this,’ but then other members urge them to try harder, and working together they get it done. The feeling of accomplishment is sublime.”

Chinesen freuen sich auf Beethoven-Nachwuchs

Beethovenbüste in Qingdao, ChinaChina ist die Zukunft der klassischen Musik. Das behauptet neuerdings jeder. Seitdem das Land die jungen Pianisten-Superstars Lang Lang und Yundi Li hervorgebracht hat. Seitdem immer mehr hervorragende chinesische Musikstudenten an die europäischen und amerikanischen Hochschulen drängen. Seitdem genauso vage wie abenteuerliche Zahlen kursieren, nach denen 15 Millionen oder 35 Millionen oder 50 Millionen Chinesenkinder Klavier lernen, die alle nur ein Ziel haben – so gut und so berühmt zu werden wie Lang Lang. „Die Zukunft der klassischen Musik liegt in China." Das hat auch Simon Rattle, der Chef der Berliner Philharmoniker, erklärt.

Die Beschäftigung mit Mozart, Beethoven und Brahms ist längst als Bestandteil eines sich modern gebenden Chinas akzeptiert. Beethoven zu mögen, so wird einem überall versichert, sei in den chinesischen Großstädten modern und Ausdruck eines erstrebenswerten westlichen Lebensstils. Einen kleinen Beethoven-Interpreten in der eigenen Familie zu haben ist jedoch noch viel erstrebenswerter.