Produktive Jahre

Beethovens wachsender Erfolg als Pianist und Komponist wurde von einer schwerwiegenden Beeinträchtigung überschattet: 1795 machten sich erste Anzeichen einer sich ausweitenden Hörschädigung bemerkbar, die ihn immer mehr zu einem Einzelgänger werden ließ, 1808 zu starker Schwerhörigkeit und schließlich 1819 zu völliger Taubheit führte.

Die weiteren Wiener Jahre sind, der Beeinträchtigung durch das Gehörleiden zum Trotz, die produktivste Phase in Beethovens Schaffensbiographie. Der Komponist hatte zu dieser Zeit einen eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt. Sechs der neun Sinfonien komponierte Beethoven allein zwischen Herbst 1802 und 1812, darunter so bekannte Werke wie die 3. Sinfonie Eroica, die 5. Sinfonie und die 6. Sinfonie Pastorale. Darüber hinaus entstanden das 4. und 5. Klavierkonzert sowie die Endfassung des 3. Klavierkonzerts, das Violinkonzert op. 61 und die fünf „mittleren“ Streichquartette.

Auch die erste Fassung seiner einzigen Oper Fidelio komponierte Beethoven in dieser Zeit. Am 20. November 1805 wurde sie unter dem ursprünglichen Titel Leonore zum ersten Mal aufgeführt, in der Folge aber noch zweimal überarbeitet. Seinen bis dahin größten Erfolg erzielte Beethoven 1813/1814 mit den Aufführungen eines eigens aus Anlass des Wiener Kongresses komponierten Werkes „Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria op. 91“, das den entscheidenden Sieg der Engländer über die napoleonischen Truppen schildert und damit beim Publikum den Geist der Zeit traf.

Beethoven-Wohnung in Heiligenstadt, Wien. Im Jahr 1802 entstand das »Heiligenstädter Testament«, ein Abschiedsbrief an seine Brüder, der ein ergreifendes Dokument seiner Hilflosigkeit gegenüber seinem gesundheitlichen und psychischen Zustand darstellt. Ab 1808 gab Beethoven keine öffentlichen Konzerte mehr. Von etwa 1813 an verwendete Beethoven Hörrohre, um mit seiner Umgebung zu kommunizieren, ab 1818 war eine Unterhaltung mit ihm nur noch schriftlich möglich.

Zwar bezog Beethoven neben dem fürstlichen Gehalt nicht unerhebliche Einkünfte aus Verlagsverträgen und Konzerteinnahmen, doch garantierten diese keine dauerhafte finanzielle Absicherung. Daher bewarb sich Beethoven im Dezember 1807 – vergeblich – bei der k.k. Hoftheaterdirektion um eine Anstellung und erwog darüber hinaus, Wien zu verlassen. Am 1. März 1809 sicherten Erzherzog Rudolph, Franz Joseph Fürst Lobkowitz und Ferdinand Fürst Kinsky dem Komponisten per Dekret ein festes jährliches Gehalt zu unter der einzigen Bedingung, dass Beethoven in Wien wohnen bliebe (der sogenannte Rentenvertrag). Er verzichtete auf die ihm angebotene Stelle als Hofkapellmeister bei Napoleons Bruder Jérome in Kassel.