Musikalische Ausbildung

Der junge Beethoven bei seinem ersten Auftritt. (Le premier debut_Borchmann)Johann van Beethoven erkannte früh die außerordentliche Begabung seines Sohnes und sorgte für eine solide Musikausbildung. Der Vater galt als sehr streng, ja tyrannisch. Der Musikunterricht für Ludwig war nicht selten mit Ohrfeigen und Schlägen auf die Finger versehen. Mit fünf Jahren bekam der kleine Ludwig die ersten Klavierstunden und musste dabei auf einem Fußbänkchen stehen. Der Junge hatte aber trotzdem viel Spaß am Klavierspielen und begann auch früh mit zwanglosem Improvisieren. Im Alter von sieben Jahren trat Beethoven im März 1778 zum ersten Mal öffentlich als „klavierspielendes Wunderkind“ auf. Es folgten viele weitere kleinere Auftritte, auch bei Hauskonzerten. Die Musik gab dem schüchternen Jungen Selbstbewusstsein. Seine Schulbildung dagegen war kurz und mangelhaft, denn auf Kommando lernte er ungern.

So streng der Vater auch war, immerhin erkannte er das Talent und gab die weitere Ausbildung des Sohnes schnell weiter, auch an Kollegen der Hofkapelle: Hoforganist Gilles van den Eeden, Sänger Tobias Pfeiffer, die Violinisten Franz Georg Rovantini, Franz Anton Ries u. a.

"mein Vaterland die schöne gegend, in der ich das Licht der Welt erblickte, ist mir noch immer so schön und deutlich vor meinen Augen, als da ich euch verließ, kurz ich werde diese Zeit als eine der glüklichsten Begebenheiten meines Lebens betrachten, wo ich euch wieder sehen und unsern Vater Rhein begrüßen kann." (Beethoven an Franz Gerhard Wegeler in Bonn, Wien, 29. Juni 1801)

1782 trat der Komponist und Kapellmeister Christian Gottlob Neefe die Nachfolge van den Eedens als Hoforganist an und wurde einer der wichtigen Lehrer Beethovens. Neefe erteilte ihm zeitweise Klavier- und Kompositionsunterricht. Gelegentlich arbeitete der junge Beethoven zur Aushilfe als Organist der Hofkapelle, noch ohne Gehalt. Seine erste feste Anstellung als zweiter Hoforganist erhielt er 1784. Darüber hinaus wirkte er als Cembalist und Bratschist in der Hofkapelle.

Ende des Jahres 1786 reist der junge Musiker nach Wien, um bei Mozart Unterricht zu nehmen. Zwischen Januar und April 1787 hielt er sich in Wien auf. Treffen mit Mozart sind wahrscheinlich, jedoch nicht belegt. Mozart soll über Beethoven gesagt haben, dass „er in der Welt noch von sich reden machen werde“. Klar ist, dass beide völlig unterschiedliche Ansichten über Musik im Allgemeinen und das Klavierspiel im Besonderen hatten.